Oberflächenbehandlungen von Holzfenster im Bereich Denkmalschutz

Gerade bei Holzfenster im Bereich Denkmalschutz spielt die Oberflächenbehandlung eine grosse Rolle.

Nicht selten hat die zuständige Denkmalpflege dazu eine konkrete Vorstellung, und wir sprechen hier nicht vom Farbton.

Was also sind die verschiedenen Möglichkeiten, damit das Holzfenster für einen langen Zeitraum in frischer Farbe erstrahlt?

Zu unterscheiden sind erst einmal zwei sehr wichtige Unterschiede bei der Oberflächenbehandlung von Holzfenster:

  • Es gibt die deckende Beschichtung, also der «Farbanstrich»
  • Oder die nicht deckende Beschichtung, da sprechen wir von Lasuren und Dergleichen

Achtung: Bei einer nicht deckenden Beschichtung muss der Fensterbauer andere Fensterkanteln (Holz) einkaufen, anstelle einer Keilverzinkung müssen die Decklamellen durchgehend sein, was immer einen Mehrpreis bedeutet!

Die nächste übergeordnete Unterscheidung wäre dann:

  • Einfarbig, also innen und aussen die gleiche Behandlung und der gleiche Farbton
  • Zweifarbig, innen und aussen unterschiedliche Behandlung und/oder unterschiedliche Farbtöne

Achtung: Die zweifarbige Oberflächenbehandlung ist immer die teurere Variante!

Und der dritte Punkt Hauptpunkt ist der Farbton, welche Farbtöne stehen zur Auswahl:

  • Standard in der Schweiz sind RAL-Farbtöne.
  • Ebenfalls gängig sind Farbtöne nach NCS
  • Eher selten sind Farbtöne nach RAL-Design oder RAL-Digital
  • Ebenfalls selten sind Farbtöne nach Farrow & Ball
  • Bei Lasuren gibt es solche mit Pigmenten oder ohne, je nach Hersteller und Geschmack

Achtung: Meist wird ein Aufpreis für vom Standard abweichende Farbtöne verlangt. Wenn ein Fensterproduzent als Standard den Farbton RAL 9016 im Programm hat, wird er für RAL 9010 einen Aufpreis verlangen. Ebenfalls sind NCS-Farbtöne sowie RAL-Design und RAL-Digital bei den meisten Herstellern teurer als RAL-Farbtöne. Am teuersten sind ganz klar die Farbtöne nach Farrow & Ball, da auch nicht jeder Farbhersteller die Rezepte hat, und diese teuer eingekauft werden müssen.

Gut, dann haben wir schon mal die Grundlage. Jetzt geht es aber ans Eingemachte! Nachfolgend erklären wir Ihnen die unterschiedlichen Farbsysteme sowie deren Vor- und Nachteile. Fangen wir mit den deckenden Beschichtungen an.

DECKENDE BESCHICHTUNGEN

Unsere Nummer 1: Traditionelle Leinölfarbe

Diese Farbe ist zu 100% natürlich, kunststofffrei und wasserfrei. Sie besteht ausschliesslich aus gekochtem schwedischem Leinöl (Leinölfirnis), Balsamterpentin (destilliertes Tannenharz) und reinen anorganischen Pigmenten.

Sie wird ganz traditionell unverdünnt, oder mit rohem Leinöl verdünnt in extrem dünnen Schichten mit dem Borstenpinsel aufgetragen.

Die Leinölfarbe geht eine Verbindung mit dem Holz des Holzfensters darunter ein. Das heisst nicht, dass die Farbe ewig hält, aber die Farbe kann nicht abplatzen wie bei anderen Farbsystemen.

Die Optik: Typisch historische, seidenmatte bis glänzende Optik. Die Farbe wird von Hand gepinselt, was eine wunderschöne Pinselstrichoptik hervorbringt, was bei den Denkmalpflegebehörden immer sehr gut ankommt.

Vorteile

Nachteile

Das Holz ist jahrzehntelang geschützt

Unterhalt muss gewährleistet sein

Renovationsaufwand sehr gering

Teuer in der Anschaffung

Günstig im Unterhalt

Nur ausgewählte Farbtöne möglich

Natürliche Zutaten ganz ohne Chemie

Unsere Nummer 2: Moderne Ölfarbe

Moderne Ölfarbe verbindet die Vorteile von traditionellem Öl mit moderner Verfahrenstechnik. Die Farbe setzt sich aus veresterten Ölen, synthetischen Pigmenten und Balsamterpentin oder Wasser zusammen, was einen glatteren Farbverlauf ermöglicht. Die wasserverdünnte Ölfarbe ist hochgradig verarbeitet und schlecht für Aussenanwendungen geeignet.

Die Ölfarbe geht eine Verbindung mit dem Holz des Holzfensters darunter ein. Das heisst nicht, dass die Farbe ewig hält, aber die Farbe kann nicht abplatzen wie bei anderen Farbsystemen.

Die Optik: Seidenmatte bis glänzende Optik, je nach Wunsch. Die Farbe kann gespritzt oder von Hand gepinselt werden. Wobei wir vom Spritzen immer abraten! Nur von Hand gepinselt zeigt die Oberfläche die gewünschte Pinselstrichoptik, was die Denkmalpflege entzückt.

Vorteile

Nachteile

Das Holz ist gut geschützt

Vergilbung

Renovationsaufwand gering bis mittel

Unterhalt muss gewährleistet sein

Sehr wetterbeständig

Teuer in der Anschaffung

Günstig im Unterhalt

Unsere Nummer 3: Acrylfarbe

Acrylfarbe basiert auf Kunststoff / Acrylatharz in Wasser gelöst und mit weiteren Zusatzstoffen.

Die Acrlyfarbe bleibt dauerhaft elastisch, was in Verbindung mit dem arbeitenden Holz der Holzfenster ein enormer Vorteil ist.

Die Optik: Sie reicht je nach Produkt von matt bis Hochglanz, wobei von Hochglanz abzuraten ist. Die Acrylfarbe ist absolut vergilbungsfrei und da sich die Farbe beim Trocknen zusammenzieht, kann eine Pinselstrichoptik erzielt werden, wenn der letzte Anstrich mit dem Pinsel erfolgt. Sie können also auch mit diesem Farbsystem die Denkmalpflege glücklich machen.

Vorteile

Nachteile

Keine Vergilbung

Renovationsaufwand hoch

Extrem UV-stabil

Behält Glanzgrad sehr lange

Günstig bei der Anschaffung

Unsere Nummer 4: Alkydharzfarbe

Alkydharzfarbe basiert auf chemisch modifizierten Naturölen (Leinöl, Sojaöl) mit Lösemittel. Die Farbe hat den typischen Lösemittelgeruch, der nach der Trocknung jedoch verfliegt.

Alkydharzfarben werden extrem hart und kratzfest, was in Verbindung mit Holz nicht nur von Vorteil ist.

Die Optik: Sie reicht je nach Produkt von matt bis Hochglanz, wobei Hochglanz hier ganz klar die Königsdisziplin darstellt. Alkydharzfarbe kann gespritzt werden, was eine absolut spiegelglatte Oberfläche bringt, oder auch von Hand gepinselt. Eine Pinselstrichoptik ist nur geringfügig zu erzielen, was bei der Denkmalpflege als Nachteil angesehen wird.

Vorteile

Nachteile

Hochglanz möglich

Vergilbung

Anfangs lange Beständigkeit

Wird durch UV-Strahlung spröde

Neigt zu Mikrorissen

Teuer in der Anschaffung

Renovationsaufwand hoch

Lassen Sie sich von Ihrem Fensterprofi im Bereich Denkmalschutz beraten und die verschiedenen Optiken aufzeigen. Sie werden staunen, welche optischen Unterschiede die verschiedenen Farbsysteme haben!

Dann kommen wir jetzt zu den Systemen für die nicht deckende Beschichtung

NICHT DECKENDE BESCHICHTUNGEN

Unsere Nummer 1: Reines gekochtes Leinöl

Wie der Name schon sagt handelt es sich um reines, gekochtes Leinöl.

Das Öl wird von Hand aufgetragen, wobei das Öl komplett in das Holz einzieht.

Die Optik: Das Leinöl feuert die natürliche Holzmaserung extrem stark an, was das Holz wie frisch vom Regen nass, sehr warm, tief und lebendig aussehen lässt. Da keine Farbpigmente beigemischt sind, wird das Holz unter dem Öl vergrauen, wodurch eine natürliche Patina entsteht.

Vorteile

Nachteile

Extrem geringer Renovationsaufwand

Kein Schutz vor UV-Strahlung

Absolut natürlicher Holzschutz

Extrem hoher Pflegeintervall/Unterhalt

100% Ökologisch

Natürliche Patina durch Vergrauen

Unsere Nummer 2: Ölbasierte Lasuren (Leinöl oder Alkyd)

Die typischen Inhaltsstoffe bei ölbasierten Lasuren sind Leinöl, Standöl, Alkydharze, mit oder ohne Lösemittel

Die Lasur wird von Hand aufgetragen oder gespritzt und ölbasierte Lasuren dringen tief ins Holz ein und schützt die Holzfasern von innen.

Die Lasur blättert nicht ab, wäscht sich aber über die Jahre hinweg langsam aus.

Die Optik: Die Holzmaserung wird extrem betont, das Holz wirkt dunkler, wärmer und lebendiger.

Vorteile

Nachteile

Sehr geringer Renovationsaufwand

Sehr diffusionsoffen, Holz kann Feuchtigkeit aufnehmen

Sehr gut für das Holz

Guter UV-Schutz, wenn pigmentiert

Unsere Nummer 3: Wasserbasierte Lasuren (Acryl), diverse Hersteller

Die typischen Inhaltsstoffe bei Acryl-Lasuren sind Acryldispersion, Wasser und UV-Blocker.

Die Lasur wird von Hand aufgetragen oder gespritzt. Die wasserbasierte Lasur bildet eher einen dünnen, elastischen Schutzfilm auf der Oberfläche, als dass sie ins Holz einzieht.

Die Optik: Das Holz behält weitgehend seinen ursprünglichen Farbton ohne starken Nasseffekt.

Vorteile

Nachteile

Renovationsaufwand gering bis mittel

Kann mikroskopisch reissen

Extreme UV-Beständigkeit

Hochflexibel da dauerelastisch

Nahezu lösemittelfrei

Unsere Nummer 4: High-Solid Lasuren (Lösemittel/Dickschicht)

Die typischen Inhaltsstoffe bei Hight-Solid Lasuren sind modifizierte Alkydharze mit sehr hohem Festkörperanteil und wenig Lösemittel

Die Lasur wird von Hand aufgetragen oder gespritzt. Die High-Solid Lasur zieht leicht ins Holz ein und bildetet eine spiegelglatte, dickere Schutzschicht.

Die Optik: Diese Lasur verleiht dem Holz eine sehr glatte, elegante und leicht glänzende Oberfläche.

Vorteile

Nachteile

Perfekter Feuchtigkeitsschutz

Kann abblättern daher Renovationsaufwand hoch

Lange Standzeit

Denkmalschutz ungeeignet

Edle Lack-Optik

Erhöhtes Risiko für Holzfäule

Renovationsaufwand sehr hoch

Und welche Oberflächenbehandlung wünschen Sie sich für Ihre neuen historischen Holzfenster?

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